20 Aug. Warum es so unangenehm sein kann, still zu liegen

Ich komme von der Arbeit nach Hause und laufe die Treppen hoch in den 5. Stock zu meiner Wohnung. Währenddessen habe ich das Telefon in der Hand und schaue in meinen Posteingang. Vielleicht habe ich ja eine Bookinganfrage fürs Auflegen. Und wer weiß, wer sich sonst noch bei mir gemeldet hat – ich bin neugierig.
Oben angekommen mache ich mir schnell etwas zu essen, was bereits recht anstrengend ist. Großer Hunger. Der Körper schreit nach Energie.
Danach lege ich mich auf mein Bett. Ich bin so erschöpft, dass ich am liebsten schlafen möchte. Und da liege ich nun. Spüre das Zittern in meinem Körper, die Unruhe, die ich so gut kenne. Mein Kopf rattert. Ich komme nicht zur Ruhe, obwohl das Bedürfnis danach so groß ist. Es ist unangenehm da zu liegen und nichts zu tun.
Ich springe auf. Das ist keine bewusste Entscheidung. Das tut mein Körper und ich setze mich an meinen Rechner und vor die Musikboxen – bereite das nächste Set für den nächsten Gig im Sysiphos in Berlin vor. Das ist aufregend. Mein Körper ist angespannt. Es ist anstrengend, Musik zu hören. Ich fühle mich ausgelaugt.
Es kann sehr schwer fallen, zur Ruhe zu kommen, wenn der Flucht- und Kampfmodus (Sympathikus) lange Zeit aktiviert war.
Jahrelang habe ich mich sogar richtig gut dabei gefühlt, viele Dinge gleichzeitig machen zu können. Ich dachte: Ich schaff das alles und fühlte mich produktiv und erfolgreich dabei.
Das Gemeine ist, wenn man zwischendurch nicht richtig runterfährt, ist die Aktivierung irgendwann so hoch, dass sich Ausruhen sehr unangenehm anfühlen kann.
Ich habe zwar versucht, nachmittags zu schlafen, weil ich so erschöpft war, bin jedoch häufig gleich wieder aufgesprungen, weil die Unruhe so groß war und es unangenehm ist, damit zu sein.
Heute, über 12 Jahre später, weiß ich, dass das der Flucht und Kampfmodus war, der diese Unruhe in mir auslöste. Wenn wir unter Stress stehen, unverarbeitete traumatische Erfahrungen oder überwältigende Emotionen in uns tragen, kann unser autonomes Nervensystem in erhöhter Alarmbereitschaft bleiben. Häufig verändert sich dabei auch unsere Atmung: Sie wird schneller, flacher oder unregelmäßiger.
Gleichzeitig kann die Art, wie wir atmen, wiederum auf unser Nervensystem zurückwirken. Kein Wunder also, dass still zu liegen oder einfach ein Buch zu lesen schwerfallen kann, wenn der Körper nur schwer in einen Zustand von Sicherheit und Entspannung findet.
Chronischer Stress und traumatische Erfahrungen können unser Atemmuster langfristig beeinflussen. Wie sich das genau zeigt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei den meisten Menschen zeigt sich dies jedoch als sogenannte Überatmung – sie atmen mehr, als ihr Körper eigentlich benötigt.
Wenn du mehr Ruhe im Körper erleben möchtest, begleite ich dich gerne auf diesem Weg. Möchtest du mehr darüber erfahren? Buche dafür ein kostenloses und unverbindliches Gespräch bei mir.
